Traf­fic to nowhe­re

Posted on Nov 18, 2014 in Grafikdesign

Traf­fic to nowhe­re

Ein Inter­view mit Moritz Resl

Ver­öf­fent­licht am 18. Novem­ber 2014 | Kate­go­rie: Gra­fik­de­sign

Auf den ers­ten Blick könn­ten es Ver­kehrs­zei­chen sein. Zumin­dest erin­nern die Form und Grö­ße dar­an. Beim genaue­ren Betrach­ten schei­nen die Zei­chen kei­ner hin­wei­sen­den Funk­ti­on zu die­nen – oder viel­leicht doch? Wir freu­en uns Moritz Resl, der das Pro­jekt wäh­rend sei­ner Zeit bei Sag­meis­ter & Walsh mit Ste­fan Sag­meis­ter gestal­tet hat, für ein Inter­view zu gewin­nen und mehr von Traf­fic to nowhe­re zu erfah­ren.

Wie wich­tig ist der Leit­satz Form fol­lows func­tion für dein gestal­te­ri­sches Schaf­fen?
Design soll Inhal­te kom­mu­ni­zie­ren und dadurch eine Auf­ga­be erfül­len. Das ist ganz wich­tig, reicht aller­dings noch nicht. Es soll auch mög­lichst ele­gant, effek­tiv und ästhe­tisch anspre­chend sein. Die­sem Gedan­ken fol­gend gibt es von Donald Judd ein tol­les Zitat, er sagt Design has to work. Art does not.
Wenn man also zum Bei­spiel ein Logo für eine Fir­ma gestal­tet, sol­len die Wer­te der Fir­ma im Logo trans­por­tiert wer­den. Natür­lich kann und soll man immer wie­der aus­bre­chen aus dem Regel­kor­sett. Es gilt davor aller­dings die Regeln zu ken­nen und damit bewusst zu han­deln.

Wie war es, die­ses Prin­zip bei Traf­fic to nowhe­re außen vor zu las­sen?
Ich wür­de nicht sagen, dass das Prin­zip hier nicht ange­wen­det wur­de. Aller­dings war die Funk­ti­on eines Schil­des los­ge­löst von ihrer kon­ven­tio­nel­len Bedeu­tung. Ver­kehrs­schil­der besit­zen eine sehr spe­zi­fi­sche For­men­spra­che, die wir auch für das Pro­jekt adap­tie­ren woll­ten. Es war wich­tig, dass die fer­ti­gen Schil­der sofort als sol­che erkannt wer­den. Bei genaue­rer Betrach­tung bemerkt man aller­dings, dass kei­ne Nach­richt kom­mu­ni­ziert wird. Sie sol­len ähn­lich eines Tri­pty­chons, edel und visu­ell anspre­chend an der Wand über der Wohn­zim­mer­couch funk­tio­nie­ren. Man den­ke an Kasi­mir Malewitsch’s Schwar­zes Qua­drat. Ste­fan beschäf­tigt sich schon län­ger mit dem The­ma Useless Design und erkennt Schön­heit in Din­gen ohne offen­sicht­li­cher Funk­ti­on. Ver­gleicht man bei­spiels­wei­se die Fahrt zur Arbeit (hoher Nut­zen) mit einem Spa­zier­gang durch den Park (nied­ri­ger Nut­zen), so ist Zwei­te­res trotz des gerin­ge­ren Nut­zens wesent­lich ange­neh­mer. So auch bei Traf­fic to nowhe­re: dem Betrach­ter wird nichts erklärt, kein Weg vor­ge­schrie­ben oder War­nun­gen über­mit­telt, der funk­tio­nel­le Wert ist sehr gering. Das Poten­ti­al, Schön­heit in der nicht funk­ti­ons­ge­bun­de­nen visu­el­len Spra­che von Ver­kehrs­schil­dern zu ent­de­cken aller­dings groß.

traffic to nowhere signs

Traf­fic to nowhe­re – exklu­siv in der Bou­tique Cham­ber erhält­lich

 

Das schwar­ze Qua­drat

„Kasi­mir Male­witsch gilt, neben Piet Mon­dri­an, als der wich­tigs­te Theo­re­ti­ker der abs­trak­ten Kunst, der wesent­lich den Kon­struk­ti­vis­mus beein­fluss­te und bestimm­te.

Das ‚Schwar­zes Qua­drat auf wei­ßem Grund‘ aus dem Jahr 1915 wird zum visu­el­len Mani­fest des Supre­ma­tis­mus. In ihm ist alles, die ‚Far­be‘, die Form und die Struk­tur auf ‚Null‘ redu­ziert.“

Quel­le und mehr zum The­ma: Kunst-Zeiten.de

 

Die Welt als Emp­fin­dung der Idee, unab­hän­gig vom Bild – das ist der wesent­li­che Inhalt der Kunst. Das Qua­drat ist nicht das Bild. So, wie der Schal­ter und der Ste­cker auch nicht der Strom sind.

Male­witsch, 1927

Wie waren die Reak­tio­nen?
In Wien, tau­sen­de Kilo­me­ter ent­fernt von der 23rd Street in New York, wo das Geschäft Cham­ber eröff­net hat, haben mich bis­her vie­le posi­ti­ve Rück­mel­dun­gen erreicht, das freut mich sehr! Per­sön­lich konn­te ich beim Eröff­nungs­abend lei­der nicht dabei sein. Ein Set, bestehend aus den drei Schil­dern hängt übri­gens auch im Stu­dio von Sag­meis­ter & Walsh selbst.

Wie war es mit Ste­fan zusam­men zuar­bei­ten und was hast du dabei gelernt?
Begon­nen hat­te ich das Pro­jekt noch in New York, als ich bei Sag­meis­ter & Walsh ein Prak­ti­kum gemacht habe. Fer­tig­ge­stellt habe ich es dann von Wien aus, was sehr span­nend war, da ich neben dem kom­plet­ten Design auch für die Pro­duk­ti­on ver­ant­wort­lich war. Mit Fir­men zu arbei­ten, die in einer ande­ren Zeit­zo­ne sind ergibt eine inter­es­san­te Arbeits­dy­na­mik — der Arbeits­tag ver­la­gert sich also öfters. Mit Ste­fan zu arbei­ten ist für mich eine unglaub­li­che Ehre, ich schät­ze ihn und sei­ne Arbei­ten wirk­lich sehr. Sein freund­li­ches und posi­ti­ves Wesen ist sehr inspi­rie­rend und ich durf­te mir neben­bei ein paar Tipps abschau­en, wie man ein klei­nes Design­stu­dio führt. Ste­fan ist sehr viel unter­wegs und jedes Mal, wenn er von einer Rei­se ins Stu­dio zurück­kam, hat­te er für alle ein klei­nes Mit­bring­sel mit. In mei­nem Fall waren das sogar ein­mal Man­ner Schnit­ten aus Öster­reich. Gene­rell war die Zeit in New York unglaub­lich reich an Ein­drü­cken und ich konn­te sehr viel von ihm und den ande­ren im Stu­dio ler­nen.

Wor­an arbei­test du gera­de? Und was sind dei­ne Plä­ne für die Zukunft?
Der­zeit arbei­te ich an einer Instal­la­ti­on für das Foy­er eines neu gebau­ten Hoch­hau­ses am Wie­ner Donau­ka­nal und an einer Web­site für einen wie­ner Künst­ler. Wei­ters bin ich dabei, mei­ne Abschluss­ar­beit an der Uni­ver­si­tät für Ange­wand­te Kunst zu machen. Vor ein paar Wochen hab‹ ich mein Mas­ter­stu­di­um in Medi­en­in­for­ma­tik an der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Wien abge­schlos­sen. Neben dem Stu­di­um arbei­te ich schon seit eini­gen Jah­ren als Free­lan­cer an unter­schied­li­chen Pro­jek­ten. Der­zeit geht mir der Gedan­ke, nach dem Stu­di­um ein eige­nes Stu­dio zu eröff­nen nicht mehr aus dem Kopf. Wich­tig ist mir jeden­falls, Arbei­ten zu machen, die es wert sind, Zeit in sie zu inves­tie­ren. Einen Über­blick über eini­ge mei­ner bis­he­ri­gen Pro­jek­te kann man sich auf mei­ner Web­site anse­hen: www.resl.xyz

Vie­len Dank für das Inter­view.

Mehr Pro­jek­te von Moritz Resl auf Design made in Aus­tria:

 Credits:
Crea­ti­ve Direc­tion: Ste­fan Sag­meis­ter
Design: Moritz Resl
Pho­to­gra­phy: San­tia­go Carr­as­quil­la
Sign Pro­duc­tion: Voss Signs, New York

Moritz Resl

Moritz Resl
Moritz Resl is a mul­ti­di­sci­pli­na­ry artist and desi­gner from Vien­na, Aus­tria who was recent­ly based at Sag­meis­ter & Walsh in New York City. Most of his work is sett­led in the over­lap­ping are­as of gra­phic design, pho­to­gra­phy and inter­ac­tive media. Resl is a stu­dent of Art & Sci­ence and Media Infor­ma­tics.
His work has been fea­tured on Giz­mo­do, The New York Times, Fast­Co. Design, The Ver­ge, Kott­ke, Design Milk, SWISS MISS and ELLE among others.
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