The Hap­py Film

Posted on Jan 31, 2017 in Design, Grafikdesign

The Hap­py Film

Ste­fan Sag­meis­ter sucht sein Glück

Ver­öf­fent­licht am 1. Febru­ar 2017 | Kate­go­rie: Design

Wir alle ken­nen die beson­ders per­sön­li­chen Face­book-Pro­fil­ban­ner mit Hel­ve­ti­ca-Auf­schrif­ten wie »Just be yours­elf.« oder »Der Weg ist das Ziel.«, die sich an Bana­li­tät kaum unter­schei­den. Doch jedem Men­schen ist es ver­gönnt, sein per­sön­li­ches Glück selbst zu fin­den. Öster­reichs Exil-Gra­fik-Pos­ter­boy Ste­fan Sag­meis­ter stellt sich die­ser Auf­ga­be anders: In 95 Minu­ten Spiel­zeit doku­men­tiert der 54-Jäh­ri­ge, wie er in einem Zeit­raum von 18 Mona­ten inten­siv ver­sucht, den rich­ti­gen Weg zum Glück­lich­sein zu fin­den – und aus denen wur­den just 7 Jah­re.

Nach einem 3-Pha­sen-Modell des US-ame­ri­ka­ni­schen Psy­cho­lo­gen Jona­than Haidt ver­folgt Sag­meis­ter erst den Weg der Medi­ta­ti­on, wen­det sich dann der kogni­ti­ven The­ra­pie zu um im fina­len Kapi­tel zur dras­ti­schen Medi­ka­ti­on zu grei­fen. Auf die­se emo­tio­na­le Irr­fahrt zur Selbst­fin­dung nimmt uns der gebür­ti­ge Bre­gen­zer mit und beglei­tet sei­ne Tage­buch-arti­ge Doku­men­ta­ti­on auf Eng­lisch mit unver­kenn­bar öster­rei­chi­schem Akzent aus dem Off.

Neben dem renom­mier­ten Design-Büro Sag­meis­ter & Walsh, darf Sag­meis­ter auch zwei Gram­mys und einen Hau­fen Alben-Cover für Künst­ler wie Jay Z, den Tal­king Heads und den Rol­ling Stones zu sei­nem Port­fo­lio zäh­len. Doch scheint es, dass der Mensch Sag­meis­ter an vie­len Din­gen zu kämp­fen hat. Und des­sen ist er sich bewusst – dazu gehö­ren Bezie­hun­gen aller Art, der Ver­lust sei­nes Freun­des und Regis­seurs Hill­man Cur­tis und natür­lich die Königs­dis­zi­plin, die Frau­en. In jeder der drei Pha­sen ver­liebt sich Sag­meis­ter in eine Frau und die Bezie­hung schei­tert. Als Zuse­her möch­te man mei­nen, das sozia­le Expe­ri­ment tor­pe­diert sich selbst. So ver­liebt er sich, unter Ein­fluss von ver­schrei­bungs­pflich­ti­gen »Zufrie­den­ma­chern« in eine Jour­na­lis­tin und macht ihr nach flot­ten zehn Tagen den Hof. Natür­lich auch mit kei­nem guten Ende.

The Happy Film Schriftzug

 

The Happy Show – Stefan Sagmeister als rosa Hase

 

The Happy Film – Meditation

 

»Ich lebe im Jetzt« sagt die jun­ge deut­sche Jour­na­lis­tin im Streit mit Sag­meis­ter – und so plump es sich anhört, das scheint sie ihm vor­aus zu sein. Denn auch das enor­me Maß an Selbst­re­fle­xi­on gepaart mit akri­bisch geführ­ten Glücks­ta­bel­len, hilft nicht wirk­lich. Sei­ne beein­dru­cken­den Arbei­ten und typo­gra­fi­schen Wer­ke die­nen als Rah­men der Doku­men­ta­ti­on – also ein Rund­um-Blick in Sag­meis­ters See­le. So fühlt sich man­che Sze­ne auch unan­ge­nehm nah an – unan­ge­nehm nah authen­tisch.

»Die­ser Film wird Sie nicht glück­lich machen.« sagt Sag­meis­ter zu Beginn des Films aus dem Off – und damit wird er Recht behal­ten. Er zeigt viel­mehr einen char­man­ten und facet­ten­rei­chen Men­schen, der mit allen Mit­teln ver­sucht, sich mit sich selbst zu beschäf­ti­gen und zugleich auf der Selbst­fin­dung sei­nem eige­nen Schat­ten nach­jagt. Was sei­ne The Hap­py Show-Aus­stel­lung an herz­li­cher Tie­fe hat­te, fehlt im Film an man­chen Ecken. Ein Spie­gel­bild für die Quint­essenz des Films: Es gibt vie­le schlaue Sprü­che über das Leben, doch am Ende des Tages gibt es – Spoi­ler! – kein Rezept für das Glück­lich­sein.

Unser Fazit
Zwi­schen erfri­schen­dem typo­gra­fi­schem Feu­er­werk in gewohn­ter Pracht beglei­ten wir Ste­fan Sag­meis­ter durch die Tücken des Lebens bis er auf har­te Wei­se, eine per­sön­li­che Con­clu­sio zieht: »I am an ass­ho­le!«. Und dar­in steckt in all sei­ner Über­spitzt­heit viel Wah­res – denn je bewuss­ter man lebt, des­to öfter merkt man, wie viel man falsch macht. Herr Sag­meis­ter hat auf ver­schlun­ge­nen Wegen gezeigt, dass doch sozia­le Bezie­hun­gen und die ehr­li­che Lie­be die Essenz des Glücks sind.

Die Doku ist nun online zum Kauf / Aus­lei­hen erhält­lich:

 

Text: Wan­ja Bier­baum

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Resonanz

1 Comment

  1. Diagonale Intendanz | Design made in Austria
    März 27, 2017

    […] THE HAPPY FILM von Ste­fan Sag­meis­ter – Foto: Poly­film – mehr Infos […]

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