VEECH x VEECH

Posted on Mrz 10, 2018 in Design, Event, Inspiration

Veech x Veech

Ein Inter­view im Rah­men der Diagonale’18

Ver­öf­fent­licht am 12. März 2018 | Kate­go­rie: Design

Liebes Veech x Veech Team, ihr habt für die Dia­go­nale den Franz-Grabner-Preis designt, der an den bes­ten Kino– und Fern­seh­do­ku­men­tar­film ver­ge­ben wird. Könnt ihr uns ein wenig über den Design­pro­zess und eure Inspi­ra­tio­nen erzählen?

Es war uns eine große Freude, den Preis nicht nur gestal­ten zu dür­fen, son­dern auch als trei­bende Kraft dabei zu sein, die­sen Rea­li­tät wer­den zu las­sen. Zu Ehren von Franz als Mensch und sei­nem Wir­ken auf die inter­na­tio­nale sowie natio­nale Dokumentarfilmszene.

Hin­ter der Ent­wick­lung des Prei­ses stand ein inten­si­ver Ent­ste­hungs­pro­zess mit vie­len expe­ri­men­tel­len Ideen, die ver­eint zu einem schlich­ten und ele­gan­ten Design führ­ten. Hap­tik und Mate­ria­li­tät nah­men einen beson­de­ren Stel­len­wert ein, um eine lineare, mit den Sin­nen erfass­bare Ober­flä­che zu schaf­fen, die sich der mensch­li­chen Hand fügt. Wir waren auch glück­lich, unsere „Next Gene­ra­tion“ – unse­ren Sohn Phi­lip – als Lead Desi­gner für den Preis und für die Visual Iden­tity in die­sen Pro­zess ein­zu­bin­den, ganz im Sinne von Franz end­lo­sem Bestre­ben, die junge Gene­ra­tion zu invol­vie­ren, neue For­mate zu schaf­fen und in neue Dis­kurse einzutreten.

franz-grabner-preis

Veech x Veech – Franz-Grabner-Preis

Veech x Veech – Franz-Grabner-Preis Plakat

Mit Franz Grab­ner habt ihr nicht nur über viele Jahre hin­weg kol­la­bo­riert, son­dern wart auch pri­vat eng mit ihm befreun­det – was ist euch von die­sem ange­se­he­nen Jour­na­lis­ten beson­ders in Erin­ne­rung geblie­ben?
Meine erste Begeg­nung mit Franz war 1996, als wir zusam­men für den ORF „Die BOX“ ent­wi­ckel­ten – ein mobi­les Stu­dio Kon­zept für das Pro­gramm „Kreuz und Quer“. Damals ein undenk­ba­res Kon­zept: ein Open-Air-Sendungsformat, das an ver­schie­denste Orte reist und das ört­li­che Publi­kum in die Dis­kus­sion und Hand­lung invol­viert. Das Ergeb­nis war eine äußerst erfolg­rei­che Reihe an Pro­gram­men, die dazu führ­ten, die Kon­ven­tio­nen und das Ver­ständ­nis von on-air– und off-air-Plattformen einen Impuls und eine andere Sicht­weise zu geben.

Seit die­sem Pro­jekt haben wir begon­nen, mit­ein­an­der zu arbei­ten, oder um es noch bes­ser zu sagen, uns oft genug zu tref­fen und über die Zukunft zu reden – Zukunft der Medien, des Fern­se­hens, der Kom­mu­ni­ka­tion. Bald ent­wi­ckelte sich eine enge Freund­schaft. Franz und ich waren auf einer Wel­len­länge, inspi­rier­ten ein­an­der und ent­wi­ckel­ten über die Jahre gemein­sam viele neue Kon­zepte und Formate.

Wir kamen aus unter­schied­li­chen Wel­ten – Franz aus dem bur­gen­län­di­schen Eberau, Mascha aus Mos­kau und ich aus Chi­cago und trotz­dem hat­ten wir alle das Gefühl, ein­an­der schon immer gekannt zu haben. Aus die­sen inten­si­ven Gesprä­chen, die mir für immer feh­len wer­den, ent­stan­den meh­rere zeit­lose und visio­näre Pro­jekte. So arbei­te­ten wir von 2004 bis 2006 gemein­sam inten­siv an der Kon­zept­ent­wick­lung und Mach­bar­keits­stu­die für die Trans­for­ma­tion des Wie­ner Künst­ler­hau­ses am Karls­platz in ein viel­sei­ti­ges und glo­bal ver­netz­tes Kul­tur– und Medi­en­zen­trum – „K4“.

Ein Pro­jekt, das die iso­liert von­ein­an­der betrie­be­nen und zu die­sem Zeit­punkt in ihrer Exis­tenz bedroh­ten Insti­tu­tio­nen wie Kino, Thea­ter und Aus­stel­lungs­räume mit den neuen Berei­chen für mul­ti­me­diale Pro­duk­ti­ons­stät­ten, TV-Studios und einem groß­zü­gi­gen, zum Karls­platz sich öff­nen­den mul­ti­funk­tio­na­len Ver­an­stal­tungs­raum inhalt­lich, the­ma­tisch und bau­lich zu einem syn­er­ge­ti­schen Gan­zen zusam­men­ge­fasst hätte. Eine räum­lich fle­xi­ble Platt­form für Medien, Kunst und Kultur.

Franz hat zwei Jahre enthu­si­as­tisch auf allen Ebe­nen um die­ses Pro­jekt gekämpft. Obwohl das Kon­zept zunächst gro­ßen Zuspruch fand, wurde das Pro­jekt letzt­end­lich ein­ge­fro­ren. Rück­bli­ckend kann man mit gutem Gewis­sen sagen, dass die Umset­zung die­ses Pro­jek­tes der Kul­tur­me­tro­pole Wien im media­len Bereich eine Vor­rei­ter­rolle gesi­chert hätte.

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Veech x Veech – Franz-Grabner-Preis Pla­kat – Detail

ORF Box

„Die BOX“ von Veech x Veech gemein­sam mit Franz Grab­ner ent­wi­ckelt, Foto: ORF

ORF Box

„Die BOX“ von Veech x Veech gemein­sam mit Franz Grab­ner ent­wi­ckelt, Foto: ORF

Franz Grabner Preis in der Hand

Veech x Veech – Franz-Grabner-Preis – mehr Pro­jekte auf: veechxveech.com/

Stich­wort Doku­men­tar­filme – ist das ein Genre, das euch sel­ber auch zusagt, und habt ihr viel­leicht sogar einen Geheim­tipp für unsere Leser?
Selbst­ver­ständ­lich. Wir sind begeis­tert von God­frey Reggio’s Koyaa­nis­qatsi und Dziga Ver­tovs „Man with a Movie Camera“ mit ihren Avantgarde-Techniken von dop­pel­ter Belich­tung, Stand­bild, Fast und Slow Motion, Kame­ra­fahr­ten und Split-Screens. Sie ver­kör­pern die klas­si­schen Werte des Avantgarde-Films, die nie­mals ihre Rele­vanz ver­lie­ren wer­den und einen immer wäh­ren­den Ein­fluss auf kom­mende Gene­ra­tio­nen haben wer­den. Wer­ner Her­zogs „Into the Inferno“ fin­den wir übri­gens auch ganz gut.

„Man with a Movie Camera“ von God­frey Reggio’s Koyaa­nis­qatsi und Dziga Vertovs

Ihr designt auch TV-Studios, unter ande­rem auch das neue ORF-Studio – was sind bei sol­chen Pro­jek­ten beson­dere Her­aus­for­de­run­gen, an die man viel­leicht im ers­ten Moment gar nicht denkt?
Broad­cast Design ist sehr kom­plex auf­grund der viel­fäl­ti­gen tech­ni­schen Anfor­de­run­gen, der Ver­bin­dung zwi­schen ana­lo­gen und digi­ta­len, rea­len und vir­tu­el­len Sphä­ren und auch den kul­tu­rel­len Fak­to­ren, die von Land zu Land vari­ie­ren. Dar­über hin­aus muss über das For­mat die Mar­ken­iden­ti­tät der Sen­dung for­mu­lie­ren und über meh­rere Jahre modern und zeit­ge­mäß wir­ken, sowie tech­no­lo­gisch ein­wand­frei funk­tio­nie­ren. Ein gutes Bei­spiel ist z.B. der ORF „Zeit im Bild“-Newsroom, der von uns vor über 10 Jah­ren ent­wi­ckelt wurde und heute noch immer aktu­ell ist.

Wir arbei­ten seit 25 Jah­ren im Bereich der Broad­cast Medien. Das moderne Leben ist zuneh­mend von Medien beglei­tet und durch­drun­gen. Als Archi­tek­ten und Desi­gner sind wir gefor­dert, auf die­sen Wan­del zu ant­wor­ten und neue For­men der Inte­gra­tion von Räu­men und Medien zu ent­wi­ckeln. Das bedeu­tet für uns eine Kon­ver­genz aus zwei Rich­tun­gen: Einer­seits geht es darum, für Medien mit Medien Räume auf­zu­span­nen und zu erfül­len, ande­rer­seits den archi­tek­to­ni­schen Raum als Medium zu begrei­fen und ent­spre­chend zu entwerfen.

Veech x Veech – ORF Studio

ORF-Studio gestal­tet von Veech x Veech, Foto: Her­tha Hurnaus

Veech x Veech – ORF Conference room

ORF-Konferenzraum gestal­tet von Veech x Veech, Foto: Her­tha Hurnaus

Auf­fal­lend an euren Designs ist der Ein­satz von geschwun­ge­nen Ele­men­ten, wie habt ihr zu die­sem Stil gefun­den?
Unsere Arbei­ten rea­gie­ren auf den Zeit­geist und auf unsere Gesell­schaft, in der wir heute leben. In die­ser Hin­sicht fin­den wir Inspi­ra­tion in der Luft­fahrt– und Auto­mo­bil­in­dus­trie, Form und Funk­tion erge­ben hier eine untrenn­bare Ein­heit, nichts ist dem Zufall über­las­sen. Die­sen Ansatz des Engi­nee­red Designs ver­fol­gen wir in unse­ren Pro­jek­ten in allen Maß­stä­ben. Sich stän­dig wei­ter­ent­wi­ckelnde, digi­tale Tech­no­lo­gien set­zen wir ein, um kom­plexe Auf­ga­ben zu lösen, die noch vor 10 bis 20 Jah­ren kaum vor­stell­bar waren. Die linear akzen­tu­ier­ten For­men sind auch eine Reak­tion auf die Umstel­lung auf das For­mat 16:9, um einer­seits die Hori­zon­tale im Bild zu beto­nen, ande­rer­seits ein ver­stärk­tes Pan­orama zu konstruieren.

Zurück zur Dia­go­nale – was waren in der Ver­gan­gen­heit High­lights des Fes­ti­vals, die euch im Kopf geblie­ben sind?

Es war ein tol­les Gefühl, als die Preise erst­mals an die Gewin­ner über­reicht wur­den und wir zusam­men mit der Dia­go­nale und der Fami­lie von Franz Grab­ner die Fort­set­zung sei­nes uner­müd­li­chen Wir­kens mit­er­le­ben und wür­di­gen konnten.

Wor­auf freut ihr euch bei der Diagonale’18 beson­ders?
Über­rascht zu werden.

Vie­len Dank für das Interview!

Mehr von Veech x Veech: veechxveech.com

Veech x Veech – Al Jazeera Network Studio

Al Jazeera Net­work Stu­dio gestal­tet von Veech x Veech, Foto: Huf­ton + Crow

Veech x Veech – Al Jazeera Network Studio

Al Jazeera Net­work Stu­dio gestal­tet von Veech x Veech, Foto: Huf­ton + Crow

Im Inter­view: Veech x Veech
Ein Inter­view von: Jakob Tri­polt

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