Crowd­fun­ding als Test­markt?

Posted on Sep 7, 2018 in Design

Crowd­fun­ding als Test­markt?

Ein Erfah­rungs­be­richt

Ver­öf­fent­licht am 11. Sep­tem­ber 2018 | Kate­go­rie: Design

In den Medi­en hört man meist von Crowd­fun­ding-Kam­pa­gnen, die mal so locker 100.000 Euro und mehr ein­sa­cken. Doch wie sieht es mit einem Pro­to­typ aus, der zwar nicht die Welt wie das iPho­ne anno 2007 ver­än­dert, aber doch auf signi­fi­kan­tes Inter­es­se sto­ßen kann? Wie kann man mit Crowd­fun­ding ein Pro­dukt vor­stel­len, um her­aus­zu­fin­den, wie das Pro­dukt auf dem Markt ankommt? Wie kann man hohe Kos­ten bei der klas­si­schen Markt­ein­füh­rung ver­mei­den und schon früh einen „Fail“ oder bes­ser einen „Rising Star“ erken­nen? Pas­send dazu möch­te ich mit euch mei­ne Erfah­run­gen mit der Crowd­fun­ding-Kam­pa­gne für einen nach­hal­ti­gen Hocker tei­len.

Am Anfang stand eine nahe­zu ver­rückt anmu­ten­de Idee: Möbel­stü­cke so nach­hal­tig zu pro­du­zie­ren, dass sie nach einem jahr­zehn­te­lan­gen – wenn nicht einem jahr­hun­der­te­lan­gen Gebrauch – ein­fach im Wald abge­stellt und ohne Ener­gie­zu­füh­rung zu 100% von der Natur abge­baut wer­den, so dass wie­der die Grund­la­ge für den nächs­ten Baum ent­ste­hen kann. Zwei Brü­der mach­ten sich ans Werk und ent­wi­ckel­ten in einer jah­re­lan­gen Ent­wick­lungs­pha­se mit regio­na­len und vor allem 100% natür­li­chen Mate­ria­len einen Hocker der die­sen Ansprü­chen gerecht wur­de.

Doch wie kann man es ver­kau­fen, ohne viel Bud­get zu ver­schwen­den und ein Gefühl für den Markt zu ent­wi­ckeln? Gute Fra­ge. Die Ant­wort gelang mit einer Crowd­fun­ding-Kam­pa­gne auf wema­keit.

Spurenlos Möbeldesign Logo auf Papier

Spu­ren­los Möbel­de­sign – https://spurenlos.at

Die Vor­be­rei­tung

Zu Beginn der Kam­pa­gne gönn­ten wir uns aus­rei­chend Zeit, um uns kon­zep­tio­nell mit der Her­aus­for­de­rung gründ­lich aus­ein­an­der­set­zen zu kön­nen. Dabei gin­gen uns fol­gen­de Fra­gen durch den Kopf:

  • Wel­che Kam­pa­gnen sind erfolg­reich?
  • Was haben sie gemein?
  • Was kann man davon ler­nen?
  • Was wür­de ich anders machen?
  • Was könn­te man opti­mie­ren?

Mit die­sen und wei­te­ren Fra­gen gelang­te ich zur Erkennt­nis, dass ein Pro­dukt mög­lichst inno­va­tiv und neu­ar­tig für die Ziel­grup­pe sein soll­te oder ein Pro­blem löst, dass uns Men­schen oder sei­ne Umwelt betrifft. Nur so kann man poten­ti­el­le Inter­es­sen­ten emo­tio­nal abho­len und begeis­tern. Dabei sind mir unter ande­rem die fol­gen­den Kam­pa­gnen aus Öster­reich posi­tiv auf­ge­fal­len:

Pas­sen­der­wei­se ver­füg­te der Hocker von Spu­ren­los über die ent­spre­chen­de Eigen­schaf­ten, um die Ziel­grup­pe mög­li­cher­wei­se anspre­chen zu kön­nen. Er ist nach­hal­tig pro­du­ziert, för­dert eine gute Hal­tung und wird zudem bei uns in Öster­reich her­ge­stellt. Außer­dem ist er das Pro­dukt eines regio­na­len Fami­li­en­be­triebs.

Wenn das Pro­dukt ins Sche­ma passt, gilt es die Kam­pa­gne sowie alle Mar­ke­ting­ak­ti­vi­tä­ten, die damit ver­bun­den sind, vor­ab zu pla­nen. Beson­ders beim Start zählt jede Unter­stüt­zung, damit die Kam­pa­gne Fahrt auf­nimmt. Beim Spu­ren­los-Pro­jekt stell­ten wir fol­gen­des schon im Vor­feld auf die Bei­ne:

  • Vide­os und Fotos reg­ten das Inter­es­se der poten­ti­el­len Käu­fe­rIn­nen schon ca. 2 Mona­te vor­ab an und ver­hal­fen der Mar­ke zu mehr Bekannt­heit.
  • Wir sam­mel­ten PR-Kon­tak­te, um schon beim Start des Pro­jekts von der Pres­se unter­stützt zu wer­den.
  • Das PR-Set wur­de schön auf­be­rei­tet, um die Jour­na­lis­ten zu begeis­tern und für die Ver­fas­sung eines (hof­fent­lich) kos­ten­lo­sen Arti­kels moti­vie­ren zu kön­nen. Am meis­ten Erfolg hat man mit einem kom­pak­ten und gut gestal­te­ten PDF mit allen wich­ti­gen Links und Bil­der zum Down­load.
  • Die wich­ti­gen Pos­tings für Face­book und Insta­gram soll­ten schon vor­ab pro­du­ziert wer­den, um unnö­tig Stress zu ver­mei­den.

Am 1. April ging das Kick-off-Video online – mehr auf der Web­site

Auf die Plät­ze, fer­tig, los …

Wenn der Start­schuss fällt, heißt es Voll­gas geben. Eine Akti­on nach der ande­ren soll­te die Kam­pa­gne pushen – das Start­schuss-Pos­ting, Kon­takt­auf­na­me mit den Jour­na­lis­ten, usw. Manch­mal geschieht nichts, ein ande­res Mal mar­schiert die Kam­pa­gne nach vorn. Wich­tig ist, dass man sich nicht aus der Ruhe brin­gen lässt. Inter­es­sen­ten brau­chen meist zwei, drei Mal Kon­takt mit der Kam­pa­gne, um eine Unter­stüt­zung auch ernst­haft in Betracht zu zie­hen. Und der eine oder ande­re ist erst im End­spurt dabei.

Der Sup­port der Pres­se hilft. Für den Spu­ren­los-Hocker konn­te wir regio­nal essen­ti­el­le Medi­en wie die Neue, Anten­ne Vor­arl­berg, Wann & Wo, aber auch natio­nal bedeu­ten­de Medi­en wie der Stan­dart für unse­re Sache gewin­nen. Par­al­lel soll­te man aber auch auf Soci­al Media set­zen, um vie­le Per­so­nen gezielt abzu­ho­len. Face­book Grup­pen wie­der­um sind eher nütz­lich, um Feed­back ein­zu­ho­len, wobei sie nicht bzw. kaum für Unter­stüt­ze­rIn­nen sor­gen.

Und wenn es schlech­tes Feed­back gibt? Ruhig blei­ben, das gehört auch dazu. Bei kri­ti­schen Fra­gen freund­lich ant­wor­ten und die Unklar­heit erklä­ren. Man­che Kri­tik kann auch nütz­lich für die wei­te­re Opti­mie­rung des Pro­duk­tes oder der Kam­pa­gne sein. Man­che Kom­men­ta­re kann man getrost igno­rie­ren und z.B. not­falls auf Face­book ver­ste­cken – „Don’t feed the troll.“

Beim Spu­ren­los-Pro­jekt blieb es bis zuletzt span­nend. Schluss­end­lich gelang es uns das Ziel, mit 119% Finan­zie­rung zu über­stei­gen. Dabei waren regel­mä­ßi­ge Pos­tings und Updates zum Crowd­fun­ding-Stand der Schlüs­sel zum Erfolg.

Tipps zum Mit­neh­men

Hier ein paar Tipps und Hin­wei­se für dei­ne Kam­pa­gne:

  • Pla­ne viel Zeit ein und mul­ti­pli­zie­re es dann mal zwei. ;) Eine Crowd­fun­ding-Kam­pa­gne ist zeit­auf­wän­dig und mit der Ziel­er­rei­chung nicht zu Ende, wenn man an die Aus­ga­be / Umset­zung der Beloh­nun­gen und Pro­duk­ti­on der Pro­duk­te denkt. Dau­ert die­se län­ger, hal­te dei­ne Unter­stütz­te­rIn­nen infor­miert.
  • Schü­re schon vor­ab Auf­merk­sam­keit und baue dei­ne Soci­al Media Kanä­le auf bzw. aus. Das hilft beim Start.
  • Tell a fri­end to tell a fri­end. Denn Freun­de, Fami­lie und Bekann­te las­sen sich ein­fa­cher als Wild­frem­de über­zeu­gen.
  • Berei­te dich gut vor und mache einen Plan, wann was ver­öf­fent­licht wird, wann die Pres­se infor­miert wer­den muss, usw.
  • wema­keit ist eine gute Wahl als Platt­form und bie­tet nütz­li­che Tipps und Tricks – z.B. direkt bei den Ein­ga­be­fel­dern. Auch der Sup­port ist flott und hilf­reich.
  • Mit wema­keit kön­nen auch Schwei­zer und Liech­ten­stei­ner leich­ter erreicht wer­den, deren Kauf­kraft höher als in Öster­reich ist (Quel­le: horizont.net).
  • Reagie­re indi­vi­du­ell auf dei­ne Kam­pa­gnen­ent­wick­lung und berich­te vom Fort­schritt.
  • Wir haben das „Pro­mo­ti­on Packa­ge Medi­um“ von wema­keit genützt, um von der wema­keit-Com­mu­ni­ty zu pro­fi­tie­ren, im News­let­ter Erwäh­nung zu fin­den und auf der Start­sei­te plat­ziert zu wer­den. So konn­ten wir eini­ge Schwei­zer anspre­chen und über­zeu­gen.
  • Tipp: Die Bank Aus­tria unter­stützt krea­ti­ve Pro­jek­te mit einem Drit­tel vom Finan­zie­rungs­be­darf und stellt dafür 2018 100.000 EUR bereit. Mehr Infos dazu: https://wemakeit.com/pages/bankaustriakunstpreis
Spurenlos Möbeldesign – Posting

Spu­ren­los Möbel­de­sign auf Face­book

Fazit & Aus­blick

Mit der Kam­pa­gne und wema­keit als Platt­form konn­ten wir erfolg­reich die ers­te Klein­se­rie der Spu­ren­los Hocker finan­zie­ren. Zudem kamen noch eini­ge Bestel­lun­gen wäh­rend der Kam­pa­gne über die Web­site hin­zu. Mit dem Crowd­fun­ding konn­ten wir fest­stel­len, dass ein gutes Inter­es­se am Pro­dukt da ist und die Spu­ren­los-Idee gut ankam. Mit einer klas­si­schen Wer­be­kam­pa­gne hät­ten wir uns viel schwe­rer getan und es wäre auch geld­in­ten­si­ver gewe­sen. Ein wei­te­rer Vor­teil ist, dass man einen Beweis hat, dass das Pro­dukt ankommt, und so gelangt man leich­ter in Online­shops. Den Hocker gibt es nun im avo­ca­dosto­re und bei Kern­Grün. Das Crowd­fun­ding eig­net sich also durch­aus zum Markt­test, und bei Erfolg ist es nütz­lich, um im Markt Fuß zu fas­sen. Unse­re Erfah­rung mit wema­keit war super und wir kön­nen die Platt­form wei­ter­emp­feh­len.

Mehr dazu:
www.wemakeit.com
https://spurenlos.at

 Credits
Möbel­de­sign: Spu­ren­los
Bran­ding, Stra­te­gie & Design: Tri­polt Design
Vide­os & Fotos: Mar­vin Hopf­ner
Pro­dukt­fo­tos: Alex­an­der Duel­li

Bezahl­te Wer­bung.
Die­ser Bei­trag ist Teil der Koope­ra­ti­on mit wema­keit. Unab­hän­gig davon war für mich per­sön­lich wema­keit eine sehr gute Wahl und teil­wei­se „Mit­schuld“ an der erfolg­rei­chen Kam­pa­gne.

Ein Erfah­rungs­be­richt von: Jakob Tri­polt

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